Floristen mit Heißklebepistole

Beim „Blütenwerk“ in Zollstock entstehen täuschend echte Gestecke aus Kunstblumen

VON HENRIETTE WESTPHAL aus Kölnischer Rundschau vom 21.Juni 2017

Joanna Kühn schneidet mit einer Zange die Stengel zurecht, dann fasst sie die einzelnen Blumen zu einem Gesteck zusammen. Dass die Floristin dabei nicht in einem Blumenladen steht, verrät wohl nur die Heißklebepistole neben ihr. „Ich habe früher nur mit echten Blumen gearbeitet“, sagt Kühn, die bei „Blütenwerk“ für die Arrangements zuständig ist. „Aber viele Techniken sind bei Kunstblumen tatsächlich dieselben.“

Geführt wird das Unternehmen „Blütenwerk Cologne“ von Jutta Rethmann und Stephanie Rinsche. Bei einem Job in einem Verlag kam Jutta Rethmann auf die Idee des künstlichen Blumenschmucks: „Am Empfang standen öfters mal verwelkte Sträuße“, erinnert sich die 46-Jährige, deren Mutter selbst Floristin war. „Und um Kunstblumen muss sich niemand kümmern.“ Rethmann und Rinsche, die sich beim BWL-Studium in Münster kennenlernten, belegten 2015 zuerst einen Floristik-Schnellkurs – um zu lernen, wann was blüht. Denn besonders ihre Saisongestecke sind gefragt. Mittlerweile beliefert das Unternehmen auch deutschlandweit vor allem Arztpraxen und im speziellen Zahnärzte. Das habe vor allem etwas mit den Hygienevorschriften in den Praxen zu tun, erklärt die 42-jährige Stephanie Rinsche: „In feuchter Erde bilden sich oft Schimmelpilze, deshalb sind Echtblumen in Behandlungsräumen nicht erlaubt.“

Mohnblumen und Orchideen, die in der Werkstatt des Unternehmens in Zollstock stehen, sind aus Kunststoff, Silikon und Stoff – und sehen täuschend echt aus. Einige, etwa Tulpen oder Orchideen, kommen haptisch sogar nah ans Original. „Real touch“ nennen das die Unternehmerinnen. Die einzelnen Blumen kaufen sie in Holland ein, derselbe Lieferant sorgt auch für die Dekoration der berühmten Kaufhausketten „Lafayette“ oder „Harrods“. In Zollstock sorgen Floristin Joanna Kühn und eine Kollegin dann für individuelle Gestecke. Damit der Patient beim regelmäßigen Arztbesuch immer wieder neuen Blumenschmuck sieht, bietet das Unternehmen einen Abo-Service an: Einmal im Quartal werden ein oder mehrere Arrangements ausgetauscht. Rund 150 Euro kostet der Service im Vierteljahr. „Wir wollen vor allem weg von dem verstaubten Image für Kunstblumen“, sagt Jutta Rethmann. Einzeln kommen große Grünpflanzen oder Gräser, jeweils im Topf oder Gefäß. Größe und Farben werden individuell mit den Kunden abgesprochen, zu denen neben einem Hotel in Berlin oder einer Seniorenresidenz in Hilden unter anderem auch die Lanxess-Arena und die Kölner Haie gehören. „Wir haben auch ganz spezielle Anfragen“, erzählt Stephanie Rinsche. Für einen Hochzeit in Namibia fertigten sie etwa einen Brautstrauß an: aus Kunststoff zum Mitnehmen. Zum Thema Nachhaltigkeit hat sich das Blüten-Duo ebenfalls Gedanken gemacht: Das Plastik sei zwar nicht kompostierbar, im Gegensatz zu echten Blumen müssen ihre aber nicht den weiten Weg aus Afrika oder Asien zurücklegen. Und gegen den Staub hilft vor allem eines, verrät Floristin Joanna Kühn: Einmal mit dem Fön drüber gehen.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.